Dienstag, 26. Januar 2010
Rand Cam und Wachtturm - unheilige Allianz oder Sturm im Wasserglas?
Eigentlich dachte ich, dass dieses Thema nicht wert ist, darüber zu schreiben, aber ich musste mich eines anderen belehren lassen. Anscheinend handelt es sich um eine so komplexe Materie, dass auch Leute, die es eigentlich besser wissen müssten, hier den Überblick verlieren. Ich versuche, daher die grundlegenden Punkte nochmal geordnet aufzuschreiben.

Im Internet geistern an verschiedenen Stellen Vorwürfe herum, dass die Wachtturmgesellschaft (WTG, genauer ) an Rüstungsgeschäften verdient. Als angeblicher Nachweis dient ein Formular der amerikanischen Börsenaufsicht, dass nachweisen soll, dass die WTG Mitbesitzer eines Waffenproduzenten ist. Eine (angebliche) Stellungnahme der WTG soll dann noch beweisen, dass diese versucht die wahren Zusammenhänge zu vertuschen.

Ich habe diese Behauptungen untersucht und will meine Ergebnisse hier präsentieren.

Woher stammen die Informationen?

Jedes börsennotierte Unternehmen in den USA muss regelmäßig der Börsenaufsicht öffentlich einsehbare Informationen zur Verfügung stellen, u.a. ein sogenanntes Formular 10-K, in dem Informationen wie z.B. die Art des Unternehmens, Risiken, Vermögen und teilweise die Eigentümer benannt werden. Dieses Formular wird einmal jährlich erstellt und von der Börsenaufsicht online veröffentlicht.

Für uns interessant ist das Formular aus dem Jahre 2002, in dem zum letzten Mal die WTG erwähnt wird. Zum Vergleich findet man hier das aktuellste Formular aus dem Jahr 2009, in dem die WTG nicht erwähnt wird.

Eine weitere Quelle ist der Scan eines Schreibens, dass angeblich von der "Christian Congregation of Jehovah's Witnesses" stammt, einer Organisation der Zeugen Jehovas in den USA.. Ich habe dieses Schreiben auf mehreren Internetseiten gefunden. Anscheinend handelt es sich um den Scan eines Briefes.

Anscheinend sind dies alle Informationen, die nötig waren, um schwere Vorwürfe gegen die WTG zu erheben.

Hat jemand versucht, Informationen zu unterschlagen?

Beim durchlesen des Briefes der CCJW fiel mir etwas auf. Daher hier erst einmal der Scan (für Vollbild Rechtsklick und "Graphik anzeigen"):
Brief der CCJW zu angeblichen Verstrickungen mit der Rand Cam Corp.
Ich habe volles Verständnis dafür, dass der Briefempfänger seinen Namen und seine Adresse gelöscht hat. Aber wenn ich mir den Platz zwischen der Anrede und der ersten Zeile anschaue und diesen mit den Zeilen- und Absatzabständen vergleiche, dann denke ich, dass hier zwei Zeilen gelöscht wurden.

Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man in diesem Zwischenraum die Überreste mehrerer Buchstaben: Zwei übereinander über dem "W" von "Watch Tower" rechts, je einen über dem "v" von "However" und dem "o" von "about". Demnach hätte hier jemand zwei Zeilen des Brieftextes mitt Tipp-Ex oder ähnlichem gelöscht.

Dazu passt, dass der erste Satz mit "However" beginnt, was "Jedoch" bedeutet. Für den ersten Satz eines Briefes wäre das sehr ungewöhnlich. Auch das "now" im ersten Satz setzt voraus, dass vorher bereits etwas erwähnt wurde, das vorher passierte.

Aus diesen Gründen bin ich überzeugt, dass jemand hier einen Teil des Briefes unterschlagen hat, der möglicherweise wichtige Informationen zum Verständnis des restlichen Textes enthält. Da ich den vollständigen Brief nicht kenne, kann ich natürlich nicht sagen, was hier genau stand. Es ist aber möglich, dass die Bedeutung einzelner Passagen, die wir lesen, dadurch verändert wird.

Es ist klar, dass diese Änderung vor dem einscannen passierte. Daher bleiben entweder der ursprüngliche Empfänder des Briefes und derjenige, der den Brief veröffentlichte, als diejenigen übrig, die hier etwas unterschlagen haben.

Ein weiteres Wort zur Vorsicht: Niemand weiß genau, auf welche Fragen der Brief genau antwortet. Z.B. stimmt der Firmenname, der im Brief erwähnt wird, mit keinem existierenden Firmennamen zusammen. Es ist schwer zu sagen, ob hier dem Schreiber eine Ungenauigkeit unterlief, oder ob er auf eine Formulierung der Frage Bezug nahm. Da der Brief auf "irgendwelche Partnerunternehmen" Bezug nimmt, ist anzunehmen, dass der Schreiber über die verschiedenen betroffenen Unternehmen im Bilde war, und dass er auf eine Firmenbezeichnung aus der ursprünglichen Frage Bezug nimmt.

Wie sind die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse?

Wenn man die Besitzverhältnisse der verschiedenen betroffenen Firmen aus dem o.g. Formular des Jahres 2002 analysiert, muss man aufpassen, dass man mit den verschiedenen Firmen nicht durcheinander kommt. Daher hier eine 'kurze' Übersicht, die ich aus dem Abschnitt "ITEM 11" zusammengestellt habe:

(1) REGI U.S., INC.
Dies ist das Unternehmen, welches das Formular erstellt hat, da es an einer Börse in den USA gehandelt wird. Diese Firma gehört zu 51,22% John G. Robertson, der anscheinend Investor ist, und zu 44,94% der Rand Energy Group Inc. (2).

(2) Rand Energy Group Inc.
Diese Firma wird hier und da im Internet mit REGI abgekürzt, was zu Verwechslungsgefahr mit der o.g. Firma (1) führt. Hierbei handelt es sich um eine nicht börsennotierte Holding, die Minderheitseigentümer der REGI U.S. Inc. (1) ist. Diese Firma hat wiederum zwei Eigentümer: 51% gehören der Reg Technologies Inc. (3) und 49% der Rand Cam Engine Corp. (4).

(3) Reg Technologies Inc.
Ein börsennotiertes kanadisches Unternehmen, dass Mehrheitseigentümer der Rand Energy Group Inc. (2) ist. Diese Firma wird von demselben Mr. Robertson (und dessen Ehefrau) geleitet, die auch Mehrheitseigentümer der Firma (1) sind.

(4) Rand Cam Engine Corp.
Ein nicht börsenorientiertes Unternehmen, das Minderheitseigentümer der Firma (3) ist. Bei der Auflistung der Eigentümer taucht hier das Wort "reportedly" auf, dass man mit "angeblich" oder "nach vorliegenden Berichten" übersetzen kann; das ist ein klarer Hinweis, dass der Ersteller des Berichts diese Information nicht selber prüfen konnte.Demnach waren die "angeblichen" Besitzer dieser Firma die WTG mit 50% und James McCann mit 34%. Weitere Anteilseigner wurden nicht genannt.

Weiterhin wird hier die Aussage gemacht: "Mr. McCann deutete an ("Indicated"), dass die Anteile der WTG von ihm gespendet wurden, er sich aber die zugehörigen Stimmrechte vorbehalten hat". Das heißt, dass in Bezug auf die Stimmrechte McCann 84% der Firma besitzt, also alle Entscheidungen von ihm allein getroffen werden können.

Auch hier ein Wort zur Vorsicht: wir wissen nicht, woher die Angaben in dem Finanzbericht stammen. Es ist möglich, dass sie von James McCann stammen, wir wissen es aber nicht. Wir wissen auch nicht, welche Art Angaben das waren: handelte es sich um eine mündliche Mitteilung oder um eine schriftliche? War es Antwort auf die Fragestellung des Berichts oder wurde die Mitteilung in einem anderen Zusammenhang gemacht? Alle diese Fragen sind ungeklärt und derzeit nicht möglich zu klären. Die Antworten haben aber entscheidende Bedeutung dafür, wie wir die Antworten bewerten. Das einzige, was wir sicher wissen, ist folgendes: derjenige, der den Bericht schrieb, konnte diese Angaben nicht selbstständig prüfen; er war sich also auch nicht sicher, ob das, was er schrieb, korrekt war.

Die in dem Finanzbericht genannte "The Watchtower Society" existiert nicht unter diesem Namen. Es gibt in den USA "The Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc." und "The Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, Inc." sowie in Kanada "The Watch Tower Bible and Tract Society of Canada". Dies ist ein Hinweis darauf, dass die genannten Informationen nicht genau sind und nicht geprüft wurden, da bei einer Prüfung sofort aufgefallen wäre, dass eine nicht existente Organisation aufgeführt wurde. Normalerweise wird in derartigen Berichten Wert darauf gelegt, solche Namen genau zu benennen, um Verwechslungen verschiedener Organisationen mit ähnlichem Namen zu vermeiden.

Was machen diese Firmen eigentlich?

Die Beschreibung, womit sich die Firma (1) beschäftigt, umfasst mehrere Seiten, daher hier eine Zusammenfassung:

Die Firma entwickelt und baut einen speziellen Motor ("axial vane-type rotary engine"). Für diese Maschine wurden folgende Einsatzgebiete genannt:

Als Turbine mit 1000PS zur Stromerzeugung
als 25kW-Stromerzeuger
als Benzin- und Dieselmotor
als Antrieb für Motorroller
als Kompressor für Autobus-Klimaanlagen
als Belüftung in Automobilen
als Wasserpumpe im Gartenbereich
als keramischer 0,5PS-Motor für die Navy

Das Produkt scheint also vielseitig verwendbar zu sein und nur eine Anwendung unter vielen wird vom Militär genutzt. Nach dem, was ich las, hat keine Anwendung die Serienreife erreicht; alle Anwendungen sind entweder in der Planungs- oder Testphase. Es existieren allenfalls Prototypen.

Die Firma (2) ist anscheinend Inhaber der Patente und lizensiert diese an Firma (1).

Die Firma (3) ist Geldgeber für das gesamte Vorhaben.

Die Firma (4) war urprünglicher Entwickler und Rechteinhaber des Motors. Diese Rechte wurden 1986 an die Firma (2) verkauft.

Von den vier Firmen, die in diesem Fall relevant sind, haben drei anscheinend nichts mit irgendwelchen militärischen Projekten zu tun.

Die REGI U S Inc. (1) versucht den Motor auf allen möglichen Anwendungsfeldern zu vermarkten, dabei macht eine militärische Anwendung nur eines von mehreren Anwendungsfeldern aus. Man die Firma daher kaum als "Rüstungsunternehmen" bezeichnen, da das einzige Produkt der Firma keine Waffe ist und auch keine spezifisch militärische Anwendung hat.

Genausowenig wäre Tempo ein Rüstungsunternehmen, wenn es tarnfarbene Taschentücher an die Bundeswehr liefern würde. In beiden Fällen ist das Produkt nit spezifisch militärisch. Das Militär hat Verwendung für viele Dinge, die genauso gut im nichtmilitärischen Bereich verwendet werden.

Was natürlich unzweifelhaft feststeht, ist, dass REGI U S Inc. versucht den betreffenden Motor auch an das US-Militär zu verkaufen.

Wer kontrolliert was?

Könnte die WTG als Miteigentümer nicht Einfluss nehmen und versuchen, Geschäfte mit dem Militär zu vermeiden?

Offensichtlich nicht: Als erstes hat die WTG keinerlei Anteile an der Firma, die versucht, Geschäfte mit dem Militär zu machen. Nach den o.g. Angaben ist die WTG Miteigentümer an einem Minderheitseigentümer (4) eines Minderheitseigentümers (2) dieser Firma (1). Allein das macht klar, dass die WTG keinen realen Einfluss auf die Geschäfte der REGI U S Inc.(1) haben könnte, selbst wenn sie wollte.

Es kommt aber noch eindeutiger: Nach den Aussagen des Finanzberichts hat die WTG keinerlei Stimmrechte. Sie hat also bereits in der Firma (4) keinerlei Einfluss. Die Frage, ob REGI U S Inc. (1) GEschäfte mit dem Militär macht, kann die WTG in keiner Weise beeinflussen.

Warum steht dan aber die WTG als Mitbesitzer der REGI U S Inc. in dem Finanzbericht? Dies wird in der Fußnote 5) erläutert. Alle Anteile der Firma (2) wurden den Organisationen und Personen zugeordnet, die möglicherweise irgend etwas mit dieser Firma zu tun haben. Daher tauchen dieselben Anteile auch unter drei verschiedenen Eigentümern auf (wobei ein vierter nicht genannt wurde: Firma (3)). Es wird dabei darauf hingewiesen, dass die Informationen bzgl. der WTG nicht überprüft wurden. Außerdem zeigt die Benennung der Organisation, dass ein Fehler vorliegen muss, da es keine Organisation mit der vorliegenden Bezeichnung gibt, wie weiter oben erläutert wurde.

Wieviel kann man mit dieser Maschine verdienen?

Hat die WTG direkt oder indirekt Geld verdient?

Diese Frage kann nicht direkt beantwortet werden, da der vorligende Finanzbericht die REGI U S Inc. (1) betrifft, während die WTG wenn überhaupt einen Gewinn von der Rand Cam Corp. (4) erhalten könnte. Da allerdings die REGI U S Inc. (1) die einzige Firma ist, von der irgendwelche Aktivitäten ausgehen, gibt uns der Bericht einige sehr starke Hinweise.

Die Firma hat im Laufe von 10 Jahren (1992-2002) ca. 5,3Mio$ Verlust gemacht. Es wurde keinerlei Dividende gezahlt und es ist nicht absehbar, dass in absehbarer Zukunft eine Dividende gezahlt werden könne. Es gab keinerlei nennenswerten Einnahmen.

Da diese Aktivitäten die einzige Einnahmequelle darstellen, ist es fast unmöglich, dass die WTG auch nur einen einzigen Dollar erhalten hat.

Hat die CCJW gelogen?

Hat die CCJW in dem vorliegenden Schreiben gelogen? Wir wollen einmal alle wichtigen Aussagen dieses Briefes besprechen; ich bitte dabei zu bedenken, dass wir nicht wissen, ob der Brief echt ist, was in den zwei gelöschten Zeilen stand, und auf welche Fragen oder Vorwürfe dieser Brief genau antwortet.

Ich bitte zu beachten, dass der Brief im Gegensatz zu dem o.g. Finanzbericht nicht in einer auf Exaktheit ausgerichteten Fachsprache geschrieben ist, sondern in allgemein verständlicher Umgangssprache, die naturgemäß etwas ungenauer ist. Dabei ist es durchaus möglich, dass einige eigentlich ungenaue Bezeichnungen aus der ursprünglichen Fragestellung stammen, z.B. die Benennung der verschiedenen Firmen und Organisationen. Ich nehme mir daher die Freiheit, diese Ungenauigkeiten einfach als gegeben hinzunehmen und nicht jedes mal eine Streitfrage daraus zu machen, warum irgendein Detail nicht genauer bezeichnet wurde.
...wir haben festgestellt, dass keine der Rechtskörperschaften, deren sich die leitende Körperschaft zur Förderung der Königreichsinteressen bedient, Aktien der Rand Cam Corporation oder eines anderen Unternehmens besitzt, dass an der Entwicklung des betreffenden Dieselmotors beteiligt ist.
Diese Behauptung passt natürlich nicht zu dem Finazbericht der REGI U S Inc., in dem das Gegenteil behauptet wird. Wer sagt die Wahrheit? Das kann man nicht mit letzter Sicherheit feststellen, da es hierzu keinerlei unabhängige Informationen von dritter Seite gibt.

Trotzdem geben die vorliegenden Informationen Hinweise für uns: Der o.g. Finanzbericht enthält an einer wichtigen Stelle den Namen einer Organisation, die es nicht gibt. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die genannten Informationen zur WTG aus dritter Hand stammen und nicht überprüft wurden. Das ist für mich Hinweis genug, dass diese Informationen nachweislich ungenau sind und möglicherweise auch Fehler enthalten können. Es ist nicht sinnvoll, auf derartige Informationen Vorwürfe gegen andere aufzubauen.

Falls wir annehmen, dass dieser Brief die Wahrheit sagt, kann man die Information des Finanzberichts einfach damit erklären, dass der Verfasser einen entsprechenden Hinweis falsch verstanden hat zusammen mit der Bezeichnung der begünstigten Organisation.
Tatsächlich haben zwei Brüder, die ursprünglich an der Erfindung und Entwivklung desw Motors beteiligt waren, vor Jahren eine private Übereinkunft getroffen (von der wir nicht informiert wurden), einen Anteil der möglichen Gewinne aus diesem Unternehmen an die WTG als Spende für ihr weltweites Werk zu senden.
Auch hier widersprechen die Angaben des Briefes dem, was wir im o.g. Finanzbericht finden. Auch hier gibt es aber aus den o.g. Gründen keinen berechtigten Grund anzunehmen, dass eine absichtliche Falschinformation der CCJW vorliegt.
Nachfolgend erforderten es die Umstände, dass sie die Eigentumsrechte und die Entwicklung des Motors an eine Holding-Gesellschaft transferierten, die sie nicht kontrollieren.
Dies deckt sich mit dem Finanzbericht.
In Informationen, die von dieser Holding-Gesellschaft veröffentlicht wurde, wurde die WTG irrtümlich als Aktienbesitzer genannt. Dieser Fehler ist/wird jetzt korrigiert.
Dies ist natürlich nicht überprüfbar, da der fragliche Aktienbesitz zu einem nicht börsennotierten Unternehmen gehörte und damit keinerlei nachprüfbare Informationen über die Eigentumsverhältnisse vorliegen.

Allerdings zeigen die Fakten, dass ab dem Jahr 2003 kein Hinweis auf die WTG mehr in dem Finanzbericht auftaucht. Es wurde also eine Korrektur vorgenommen. Insoweit stimmt also der Brief mit den Finanzberichten überein.

Auch hier gilt wieder der Hinweis darauf, dass der ursprüngliche Hinweis im Finanzbericht bereits offensichtlich fehlerbehaftet war und ausdrücklich als nicht geprüft bezeichnet wurde.
Daher ist der Vorwurf vollkommen falsch.
Da wir nicht wissen, welcher Vorwurf hier beantwortet wurde, kann man nichts dazu sagen, ob diese Aussage korrekt ist.
Überdies hat die WTG keinerlei Zuwendungen aufgrund der ursprünglichen Übereinkunft zwischen den zwei Brüdern erhalten.
Auch dies ist nicht nachprüfbar, aber höchstwahrscheinlich richtig, da bis 2002 keinerlei nennenswerten Einkünfte aber große Verluste mit der Entwicklung des Motors erzielt wurden.

Die vorliegenden Informationen enthalten keinen zwingenden Hinweis darauf, dass die CCJW oder die WTG in irgendeiner Weise die Unwahrheit gesagt hat.

Man kann einen derartigen Vorwurf nur konstruieren, wenn man annimmt, dass die offensichtlich fehlerbehafteten und nicht überprüften Angaben des Finanzberichtes 2002 trotz allem in der Frage des Aktienbesitzes korrekt sind. Angesichts dessen, dass ab dem Jahre 2003 diese Angaben nicht mehr auftauchen, scheint es mir vernünftiger anzune´hmen, dass die CCJW korrekte Angaben lieferte.

Hat die WTG gegen die Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas verstoßen?

Welche Grundsätze würden denn hier zur Geltung kommen? Zuerst natürlich der Grundsatz, dass Zeugen Jehovas kein Geld damit verdienen sollte, dass er für das Militär arbeitet, Waffen entwickelt oder produziert.

Es steht nach allen vorliegenden Informationen fest, dass die WTG keinerlei Geschafte mit dem Militär oder Rüstungsfirmen betrieb, keinerlei Anteile an Firmen besaß, die etwas derartiges taten und auch keinerlei Geld aus derartigen Geschäften erhielten.

Das einzige was offen ist, ist die Frage, ob die WTG Aktien an einer Firma besaß, die Anteile an einer Firma besitzt, die wiederum Anteile an einer Firma besitzt, die Geschäfte mit dem Militär machte. Auch hier gibt es keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass es so war, da die zugrunde liegenden Informationen offensichtlich ungenau sind.

Aber selbst wenn es stimmen sollte, widerspricht dies nicht den Glaubensgrundsätzen der Zeugen Jehovas. Jeder Zeuge Jehovas, der Anteile an einem Aktienfonds besitzt, steht in weitaus direkterer Verbindung zu (echten) Rüstungsfirmen. Trotzdem wurde und wird der Besitz von Aktienfonds von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas nicht als Gegensatz zu den Glaubensgrundsätzen gesehen.

Meines Wissens sind weitere Vorwürfe in dieser Frage gegen die WTG nicht möglich. Falls jemand aber noch einen Vorwurf gefunden hat, den er hier erwähnt haben möchte, dann bitte ich um einen kurzen Hinweis.

Fazit

Selbst wenn man die negativsten Einschätzungen darüber teilt, was wirklich passiert ist, hat die WTG nicht gegen Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas gehandelt.

Diese "negativste" Sicht beruht auf Informationen die offensichtlich ungenau sind und möglicherweise gravierende Fehler enthalten. Wenn man diese ungenauen Angaben ausklammert, dann bleibt nichts mehr übrig, worüber eine Diskussion lohnen würde.

Es ist mindestens ein Versuch unternommen worden, an dem vorliegenden Beweismaterial herumzudoktern. Dieser Versuch wurde anscheinend von Personen unternommen, die Zeugen Jehovas ggü. kritisch eingestellt sind.

Sollte ich irgend etwas wesentliches vergessen haben oder sollte mir ein Fehler unterlaufen sein, so bitte ich um eine entsprechende Mitteilung.

Anhang: Lost in translation

Im Internet zirkulieren Übersetzungen der o.g. Dokumente; diese enthalten aber erstaunliche Abweichungen von den übersetzten Originalen, wie ich im folgenden zeigen will. Die entsprechenden Worte sind von mir hervorgehoben. Meine Anmerkungen sind unter der Übersetzung zu finden. [Einfügungen von mir sehen so aus]
Rand Energy Group, Inc. is owned 51% by Reg Technologies Inc. and 49% by Rand Cam Engine Corp. Rand Cam Engine Corp. is a privately held company whose stock is reportedly owned 50% by The Watchtower Society, a religious organization, 34% by James McCann and the balance by several other shareholders. Mr. McCann has indicated that he donated the shares held by The Watchtower Society to that organization but has retained a voting proxy for those shares.

„Rand Energy Group, Inc“., gehört zu 51% der „Reg Technologies Inc.“ und zu 49% der „Rand Cam Engine Corp“. „Rand Cam Engine Corp“ ist eine private Aktiengesellschaft, deren Anteile [*]zu 50% von der Wachtturm-Gesellschaft, einer religiösen Organisation, und zu 34% durch James McCann und der Rest durch mehrere andere Aktionäre gehalten werden. Herr McCann hat klar gestellt, daß er die Anteile, die die Wachtturm- Gesellschaft hält, dieser Organisation geschenkt habe, er aber das Stimmrecht für diese Anteile behalten habe.
reportedly: Dieses Wort, dass "angeblich", "gemäß Angaben" bedeutet, wurde gar nicht erst übersetzt. Dadurch wird das, was im Original ein Gerücht ist, in der Übersetzung zur Tatsache.

indicate: Dieses Wort bedeutet "andeuten", "hinweisen" oder "angeben", nicht aber klarstellen. Auch durch diese Übersetzung soll wieder aus einem 'angedeuteten' Gerücht eine 'klargestellte' Tatsache gemacht werden.
Dear.....
However, we will now be glad to address your questions about the allegation that the Watch Tower Society owns stock in the Rand Cam Corporation.
After looking into this matter when it was first raised, we found that none of legal corporation used by the Governing Body in caring for Kingdom interests own stock in the Rand Cam Corporation or any associate company involved in developing the diesel engine in question. The facts are that two brothers originally involved in inventing and developing the engine made a private agreement years ago (of which we were not notified) to send a portion of any profits realized from the venture to the Watch Tower Society as a gift for its worldwide work. Subsequently, circumstances required that rights to ownership and developing the engine be transferred to a holding company not controlled by them. The Watch Tower Society was erroneously listed as a stockholder in information published by the holding company, and this error has now been corrected. Hence, the charge is totally false. Morecover, the Watch Tower Society has received no contributions as a result of the original private agreement made between the two brothers.

We trust the above comments will be helpful to you.
We send our warm love and christian greetings.

Lieber.........

[*]Nun, wir freuen uns deine Fragen bezüglich der Behauptung, dass die Wachtturm- Gesellschaft (Watch Tower Society) Anteilseigner der Rand Cam Corporation ist, zu beantworten.

Als wir uns eingehend mit diesen Fragen beschäftigt haben, nachdem sie erstmals gestellt wurden, haben wir festgestellt, daß keine der von der leitenden Körperschaft zur Förderung der Königreichsinteressen benutzten rechtlichen Gesellschaften Anteilseigner an der „Rand Cam Corporation“ oder einer mit ihr verbundenen Firma ist, die etwas mit der Erfindung und Entwicklung des fraglichen Dieselmotors zu tun hat. Tatsächlich ist es so, daß zwei Brüder, die ursprünglich mit der Erfindung und Entwicklung des Motors befasst waren, vor Jahren eine private Vereinbarung getroffen haben (über die wir nicht unterrichtet wurden), einen Teil vom Unternehmensgewinn der Wachtturm Gesellschaft für das weltweite Predigtwerk zu schenken. Deshalb war es im Hinblick auf die Umstände erforderlich, daß sie die Eigentumsrechte und die Rechte an der Entwicklung des Motors auf eine nicht von ihnen kontrollierte Holding- Gesellschaft übertrugen. Die Wachtturm- Gesellschaft wurde von der Holding- Firma in ihren veröffentlichten Informationen fälschlicherweise als Aktionär aufgeführt und dieser Irrtum wurde jetzt korrigiert. Somit sind diese Behauptungen völlig falsch. Darüber hinaus hat die Wachtturm- Gesellschaft keinerlei Spenden erhalten, die sich aufgrund der ursprünglichen privaten Vereinbarung der beiden Brüder ergeben hätten.

Wir vertrauen darauf, daß dir die obige Erläuterung hilfreich ist. Wir senden unsere innige Liebe und christlichen Grüße.
however: Dieses Wort bedeutet "aber", "dennoch" oder "jedoch", zeigt mithin einen Gegensatz zum vorgesagten an. Auch dieses Wort wurde aus derÜbersetzung ausgelassen. Eigentlich hätte der erste Satz folgendermaßen beginnen müssen: "Jedoch freuen wir uns nun, deine Fragen...". Dann wäre aber jedem Leser aufgefallen, dass mit dem Text etwas nicht stimmt.

Subsequently: Dies bedeutet eigentlich "anschließend", "nachher", wurde aber mit "deshalb" übersetzt. Damit wurde aus einer zeitlichen Folge im Englischen im deutschen eine Begründung.

Diese vier kleinen Abweichungen sehen nicht nach viel aus, reichen aber aus, um aus einem eigentlich harmlosen Vorkommnis einen Skandal zu konstruieren. Da der Autor dieser Übersetzung an allen anderen Stellen kompetent übersetzt und genau die genannten Übersetzungsfehler als Ausgangspunkt seiner Kritik benutzt, kann ich hier nicht an einen Zufall glauben.

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